Vorsorgeuntersuchungen für Kinder und Jugendliche

Das deutschlandweit einheitliche Programm von Früherkennungsuntersuchungen mit ursprünglich 9 Vorsorgeterminen existiert bereits seit 1991; Ende 1998 wurde zusätzlich die Jugendgesundheitsberatung J1 eingeführt, Mitte 2008 zuletzt die U7a. Bei allen 11 Untersuchungen überprüft der Arzt den Gesundheitszustand und die altersgemäße Entwicklung des Kindes. Jede Untersuchung ist eine gute Gelegenheit, dem Arzt auffällige und beunruhigende Beobachtungen mitzuteilen und ihn um Rat zu fragen. Notieren Sie sich am besten Ihre Fragen vor dem Arztbesuch, um nichts Wichtiges zu vergessen!

U2 (3.-10. Lebenstag) Während die U1 direkt nach der Geburt in der Regel vom Gynäkologen durchgeführt wird, erfolgt die Basisuntersuchung U2 – meist noch in der Entbindungsklinik – durch den Kinderarzt. Er untersucht das Neugeborene von Kopf bis Fuß, erteilt Ratschläge zur Säuglingspflege und zum Stillen und informiert über Rachitis-/Kariesprophylaxe mit
Vitamin D-haltigen Tabletten sowie über Maßnahmen zur Vermeidung des plötzlichen Kindstods und Verhütung von Kinderunfällen.
Bei vorzeitiger Entlassung aus der Frauenklinik oder bei ambulanter Entbindung führe ich die U2       auf Wunsch gerne bei Ihnen zuhause durch. Von großer Bedeutung sind zu diesem Zeitpunkt Stoffwechseltests, die klären, ob die Schilddrüse richtig arbeitet und ob andere behandelbare, angeborene Störungen des Eiweiß-, Zucker- und Fettstoffwechsels vorliegen
(Neugeborenen-Screening). Hierzu werden vom Arzt bzw. von der Hebamme einige wenige Tropfen Blut aus der Ferse des Babys entnommen. Zur Früherkennung von Hörstörungen wird seit 2009 eine routinemäßige apparative Testung aller Neugeborenen von sämtlichen Krankenkassen bezahlt
(OAE-Screening).

U3 (4.-6. Lebenswoche) ist meist die erste beim eigenen Kinderarzt stattfindende Untersuchung. Ernährungszustand und Gewichtsentwicklung des Kindes spielen hierbei eine wichtige Rolle. Hört und sieht das Baby gut? Bestehen ungewöhnliche Herzgeräusche, fällt beim Abtasten der Bauchorgane etwas auf? Lassen sich die Beinchen in der Hüfte gut bewegen? Kann das Kind in der Bauchlage schon für kurze Zeit den Kopf heben? Da verständlicherweise viele Fragen rund ums Baby zu besprechen sind, planen wir für die U3 regelmäßig 30-45 Minuten Zeit ein, um die Eltern umfassend beraten zu können, über die Anwesenheit der Väter freuen wir uns dabei immer ganz besonders!
Im Anschluss an die körperliche Untersuchung des Babys führe ich in der Praxis die routinemäßige Ultraschalluntersuchung der Hüftgelenke durch (Hüftsonographie - Screening), um angeborene Fehlbildungen der Hüften (1-3% aller Neugeborenen) frühzeitig erkennen und behandeln zu können.


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Foto: fotalia.de/Drulia





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U4 (3.-4. Lebensmonat) Der Arzt untersucht, wie sich das Baby körperlich und geistig entwickelt hat. Wie ist das Bewegungsverhalten, kann es Spielsachen in der Hand halten, die Hände zusammenführen und in den Mund stecken? Verfolgt es Gegenstände mit den Augen, schielt es?
Kann es zurücklächeln, beginnt es, Silbenketten zu bilden? Sie erhalten von mir u.a. Tipps zur Entwicklungsförderung des Kindes und werden umfassend über den weiteren Nahrungsaufbau
–Einführung von Beikost etc. – beraten. Bei der U4 erhält Ihr Baby die 2. Impfungen der Grundimmunisierung (Sechsfach-Impfung + Pneumokokken-Impfung), die 1. Impfungen führen wir 4-6 Wochen zuvor nach vollendetem 2. Lebensmonat durch.
Die 3. Impfungen im 5. Lebensmonat verbinden wir mit einer Überprüfung der Entwicklung incl. Kontrolle von Größe und Gewicht.

U5 (6.-7. Lebensmonat) Wie bei jeder Vorsorgeuntersuchung wird das Kind wieder sorgfältig körperlich untersucht. Ein Schwerpunkt liegt auf der Überprüfung seines Bewegungsverhaltens und seiner Geschicklichkeit. Die meisten Babys können sich jetzt schon in der Bauchlage mit beiden Händen abstützen, manche sich auch schon vom Rücken auf den Bauch drehen; außerdem greifen sie jetzt gezielt mit der ganzen Hand nach Gegenständen und plappern in unterschiedlichen Tonlagen und Lautstärken.
Da uns der Abstand bis zur U6 ziemlich groß erscheint, kontrollieren wir Größe, Gewicht und Entwicklung erneut im Alter von 9 Monaten!

U6 (10.-12. Lebensmonat) Bei der U6 geht es erneut um die Bewegungsfortschritte des Kindes, ob und wie es krabbelt, sich aufsetzt, sich an Möbeln zum Stehen hochzieht, vielleicht schon an einer Hand läuft oder gar die ersten Schritte frei ausprobiert. Die meisten führen jetzt schon kleine Plapper-Dialoge mit ihren Eltern durch und bilden – meist noch sinnlose – Doppelsilben wie „lala“ oder „gaga“. Schwerpunkte der Elternberatung sind altersgerechte Ernährung auf Basis einer optimierten Mischkost zur Vermeidung von Essstörungen und Übergewicht sowie Informationen zur Unfallverhütung und zum Sonnenschutz. Entsprechend den STIKO-Empfehlungen führen wir nach dem 1. Geburtstag die Meningokokken-Impfung bei der U6 durch.
Die 1. Impfung gegen Masern/Mumps/Röteln/Windpocken erfolgt 4 Wochen später; die 4. Sechsfach-/Pneumokokken-Impfung im Alter von 14 Monaten verbinden wir erneut mit einer kurzen Entwicklungskontrolle.

U7 (21.-24. Lebensmonat) Mit Hilfe eines Elternfragebogens wird der aktive Wortschatz des Kindes überprüft, der gerade in diesem Alter individuell noch eine große Schwankungsbreite aufweisen kann. Vor allem Jungs erweisen sich oftmals mit 2 Jahren als regelrecht „sprechfaul“ und zeigen erst zwischen dem 2. und 3. Geburtstag eine „explosionsartige“ Sprachentwicklung. Entscheidend ist, dass das Kind zweifelsfrei gut hört sowie übliche Aufforderungen versteht und befolgt; sprachauffällige Kinder kontrollieren wir in der Praxis engmaschig alle 6 Monate; eine logopädische Behandlung ist in der Regel frühestens ab dem 3. Geburtstag angezeigt.
Jetzt im Alter von 2 Jahren sollte das Kind sicher laufen, sich frei bücken und wieder aufstehen können, außerdem Treppensteigen mit Festhalten am Geländer. Eltern erhalten von mir bei Bedarf Tipps zur Sprach- und Bewegungsförderung. Falls die 2. Masern/Mumps/Röteln/Windpocken-Impfung bislang noch nicht durchgeführt wurde, wird sie jetzt bei der U7 nachgeholt.
Zur Zeckenschutzimpfung (FSME) raten wir ab dem 2. Geburtstag.

U7a (34.-36. Lebensmonat) Schwerpunkte dieser Untersuchung sind das Erkennen und Behandeln von Sehstörungen sowie die Aufdeckung von Sprachentwicklungsstörungen und Verhaltensstörungen, desweiteren von Übergewicht und etwaigen allergischen Erkrankungen. Ausführlicher Sprachtest mit Benennen von Bildern incl. Elternfragebogen, apparativer Hörtest mit Kopfhörern, Sehtest mit Kinderbildern, Überprüfung der Grobmotorik und Urinuntersuchung sind in unserer Praxis obligate Bestandteile dieser Vorsorge.

U8 (43.-48. Lebensmonat) Im Alter zwischen 3 1⁄2 und 4 Jahren stehen die Fortschritte in der körperlichen Geschicklichkeit und der Sprachentwicklung, Sehen und Hören, Ausdauer, Selbständigkeit und Kontaktfähigkeit auf dem Programm. Spricht das Kind ganze Sätze, finden sich nur noch geringe Fehler bei der Aussprache? Steigt es Treppen frei im Erwachsenenschritt, fährt es sicher Dreirad und Roller? Kann es allein essen, sich weitgehend allein anziehen? Kann es 15 Minuten konzentriert alleine spielen, spielt es mit anderen Kindern? Ist es tagsüber ganz sauber?
Der Arzt achtet bei der Untersuchung insbesondere auf Haltungsschwächen und Fußfehlstellungen, überprüft das Gehen auf Zehenspitzen und Fersen, das Stehen mit geschlossenen Augen und den Einbeinstand sowie die Maltechnik des Kindes. Im Rahmen einer ausführlichen Sprachtestung überzeugen wir uns in der Praxis auch von der Fähigkeit des Kindes, vorgesprochene Zahlenreihen korrekt wiederzugeben, um Hinweise auf etwaige Schwächen im akustischen Kurzzeitgedächtnis nicht zu übersehen. Desweiteren werden wie bei der U7a Hörtest, Sehtest incl. Überprüfung des räumlichen Sehvermögens und Urinuntersuchung durchgeführt.

U9 (60.-64. Lebensmonat) findet im Jahr vor der Einschulung statt und ist deshalb besonders wichtig. Schwerpunktmäßig werden die Fortentwicklung der Sprache, die feinmotorischen Fähigkeiten, das Sozialverhalten sowie die Ausdauer und Konzentrationsfähigkeit des Kindes überprüft. Ist die Aussprache des Kindes fehlerfrei und macht es nur noch wenige grammatikalische Fehler? Ist es dazu in der Lage, ein proportioniertes Männchen (kein „Kopffüßler“) zu zeichnen, wie hält es den Stift dabei, hat es sich auf eine bestimmte Hand festgelegt? Kann es sicher Fahrrad ohne Stützräder fahren, kann es auf einem Bein durchs ganze Zimmer hüpfen, auf einem schmalen Mäuerchen ohne Hilfe balancieren? Verhält es sich beim Spielen mit anderen Kindern angepasst, kann es zuhören und teilen? Kann es sich 20-30 Minuten lang alleine mit etwas beschäftigen? Ist es ganz sauber, auch in der Nacht?
Sprach-, Hör- und Sehtestung erfolgen routinemäßig wie bei der U8, darüber hinaus führen wir bei jedem Kind einen Mann-Zeichentest durch. Bei feinmotorischen Schwächen vereinbaren wir einen zusätzlichen Termin in der Praxis zur genaueren Abklärung, um über die eventuelle Notwendigkeit einer Ergotherapie zu entscheiden. Empfehlenswert in Hinblick auf die Förderung zuhause ist aus meiner Sicht das Programm „Familien-Ergo“ (www.familienergo.de). Bei Hinweisen auf Verhaltensstörungen und/oder Konzentrationsprobleme biete ich weitere Elterngespräche, ggf. auch Kontaktaufnahme mit den Erzieherinnen, sowie entsprechende Testungen des Kindes in der Praxis an, selbstverständlich auch bei erst nach der Einschulung auftretenden Schwierigkeiten.

U10 (7-8 Jahre) ist die erste zusätzliche Früherkennungs-Untersuchung im Schulalter. Sie soll die große Lücke zwischen den bisherigen Terminen (U9 mit 5 Jahren und J1 mit 12-14 Jahren) schließen, um eine bessere Vorsorge in dieser, für die Entwicklung ihres Kindes entscheidenden Altersstufe zu ermöglichen.
Es geht vor allem um folgende Schwerpunkte: Lese-Rechtschreibstörungen, Rechenschwächen, Konzentrations- und Verhaltensstörungen (z.B. ADHS), Medienkonsum, Störungen der fein- und grobmotorischen Entwicklung, Haltungsschwächen, Bewegungsförderung und Vorbeugung von Allergien.

U11 (9-10 Jahre) ist die zweite zusätzliche Früherkennungs-Untersuchung im 7-Jahreszeitraum zwischen U9 und J1. Bei der U11 geht es um folgende Schwerpunkte: Erkennen und Behandlungseinleitung von Schulleistungsstörungen, Sozialisations- und Verhaltensstörungen,
Zahn-, Mund- und Kieferanomalien sowie gesundheitsschädigendem Medienverhalten.
Diese Untersuchung soll ebenso wie die U10 unter anderem der Bewegungs- und Sportförderung dienen, den problematischen Umgang mit Suchtmitteln erkennen und verhindern helfen, aber auch gesundheitsbewusstes Verhalten unterstützen (unter anderem Ernährungs-, Bewegungs-, Stress-, Sucht- und Medienberatung).

J1 (12-14 Jahre) Die Jugendgesundheitsberatung J1 ist die vorletzte, sehr wichtige Vorsorgeuntersuchung beim Kinder- und Jugendarzt. Bei der J1 geht es um folgende Schwerpunkte: Erkennen und Behandlungseinleitung von Verhaltensstörungen, auffälligen schulischen Entwicklungen, gesundheitsgefährdendem Verhalten (z.B. Rauchen, Alkohol- oder Drogenkonsum) und chronischen Erkrankungen.
Bei der körperlichen Untersuchung stehen im Vordergrund: Erhebung der Körpermaße, verfrühte oder verzögerte Pubertätsentwicklung, Störungen des Wachstums oder der Gewichtsentwicklung (z.B. Klein-/Großwuchs, Unter-/Übergewicht), Bluthochdruck, Kropfbildung, Störungen des Fettstoffwechsels, Erkrankungen der Hals-, Brust-, und Bauchorgane sowie Auffälligkeiten des Skelettsystems. Auch auf eventuelle Hautprobleme und Essstörungen wird eingegangen. Außerdem wird der Impfstatus erhoben und eventuelle Nachimpfungen empfohlen. Der Arzt bespricht die Untersuchungsergebnisse mit dem Jugendlichen und gibt dabei Hinweise und Tipps für eine gesundheitsfördernde Lebensführung.

J2 (16-17 Jahre) ist eine zusätzliche Früherkennungs-Untersuchung im späten Jugendalter, um eine bessere Vorsorge in dieser für die Entwicklung des/der Jugendlichen so entscheidenden, aber in der medizinischen Versorgung oft vergessenen Altersstufe zu ermöglichen.
Bei der J2 geht es neben den Themenbereichen der J1 vor allem um folgende Schwerpunkte: Erkennen und Behandlungseinleitung von Pubertäts- und Sexualitätsstörungen, Haltungsstörungen, Kropfbildung, Diabetes-Risiko und Sozialisationsstörungen sowie die Beratung bei der Berufswahl.





















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